Nachruf Burga Friedl | Kunstgesellschaft Davos

Nachruf Burga Friedl

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Liebe Burga

Immer, wenn ich an die Kunstgesellschaft denke oder in deren Auftrag tätig bin, denke ich automatisch auch an Dich. Über viele Jahre hinweg hast Du unsere über 100 – jährige Davoser Kulturinstitution geprägt wie keine andere.

Burga Friedl

Wie aber ist es dazu gekommen? - Ich zitiere aus der Chronik der Kunstgesellschaft:

Burga Friedl hatte 1996 auf Geheiss und Engagement des Davoser Hoteliers Jörg Guyan damit begonnen, in dessen Theatersaal im Hotel Derby, Kleintheater zu organisieren und anzubieten. Aus verschiedenen Gründen konnte die Zusammenarbeit mit Guyan und dem Derby nicht fortgesetzt werden, was das Aus für das Kleintheater bedeutet hätte. Christof Künzli, damaliger Präsident der KGD, fragte zu diesem Zeitpunkt bei Frau Friedl an, ob sie das Kleintheater nicht auch im Rahmen der Veranstaltungen der Kunstgesellschaft organisieren wolle. Diese sagte freudig zu und wurde in den Vorstand aufgenommen. Sehr bald übernahm Burga Friedl dann auch die Organisation der Theateranlässe und später das neu gegründete Ressort Kindertheater sowie schliesslich auch die Lesungen…

2004 wurdest Du die erste weibliche Präsidentin der KGD und …2006 wurde die Kunstgesellschaft mit dem Landwasserpreis zum 10 - Jährigen Jubiläum des Kleintheaters ausgezeichnet. Soweit die Chronik.

Als unsere Familie vor gut 20 Jahren nach Davos kam, lernten wir durch Dich recht bald die Kunstgesellschaft kennen. Es war die Zeit als Du anfingst, das heute sog. Fundraising professioneller und systematischer anzugehen. Dazu wurden auch viele Hotelbetriebe angeschrieben, die die KGD bisher noch nicht unterstützten.

Ich wusste damals nicht viel über die KGD – die KGD, das warst Du und bist es für mich ein Stück weit bis heute geblieben. Es war und ist mir nach wie vor eine grosse Ehre, dass ich nach Dir die übernächste Präsidentin dieser Institution werden und in Deine sehr grossen und immer noch spürbaren Fussstapfen treten durfte.

Margrit Heckner, erinnert sich: Welches Bild habe ich vor Augen, wenn ich an meine Freundin denke? Ich klopfe an die Terrassentür, Burga ruft: Du störst nicht und da sitzt sie wieder an ihrem schweren Schreibtisch, der übersät ist von Theaterprogrammen, Künstlerkorrespondenz und Briefen an ihre treuen Sponsoren.

Ein anderes Bild: Burga inmitten der Künstler an der Thuner Kleinkunstbörse, wo jeder auf eine Einladung nach Davos hofft. Mit einem ganz besonderen Feeling trifft sie ihre Wahl. So erleben wir Davoser Kunstfreunde unvergessliche Abende mit jungen unbekannten Künstlern, die ohne, dass wir es ahnen, am Anfang einer grossen Karriere stehen. Burgas aussergewöhnliche künstlerische Sensibilität ist beeindruckend.

Das 100 - Jahr Jubiläum der Kunstgesellschaft im Jahr 2019 hat uns zwei kulturinteressierte Frauen näher zusammengebracht. Ich wollte mehr über die Geschichte der Kunstgesellschaft erfahren, wollte eine Ausstellung organisieren, einen Film drehen und in einer Chronik das vielfältige Schaffen unserer Gründerväter und Vorfahren festhalten und bewahren. Dies ist nur durch Deine grosse Unterstützung gelungen. In langen und lebhaften Gesprächen und in bunten Farben hast Du mir von Deinem eigenen Engagement erzählt und auch all das, was Du von Deinen Vorgängern noch erinnert hast. Du hast Kartonweise Material aus Deinem Keller nach oben in die Stube geschafft, wir haben in früheren Programmen geblättert, Plakate und Zeitungsartikel angeschaut, alte Verträge gelesen und Heinrich Werners Skizzen und Zeichnungen bestaunt. Du hast jede Künstlerin und jeden Künstler auf diesen Karten wiedererkannt, hast Dich erinnert, hast geschwärmt von erfüllenden Abenden, von grossartigen Besetzungen, vom Bneifall des Publikums und von der wunderbaren Atmosphäre. Du hast Dich aber auch an viele Hürde und Hindernisse erinnert, an Künstler, die kurzfristig abgesagt haben, krank wurden oder vor der Vorstellung ein paar Gläser zu viel getrunken hatten, an gestrichene Gelder, an Deinen Helikopterflug mit Ursus und Nadeschkin, an Flurin Caviezel, den Du als jungen Künstler soz. entdeckt hast und vieles mehr.

Auch Flurin erinnert sich an dieses Engagement: Ich denke gerne an meine Anfänge als Kabarettisten zurück und die sind eng mit der Kunstgesellschaft Davos und Burga Friedl verknüpft. Sie hatte mich damals engagiert, als ich noch völlig unbekannt war. Nach dem ersten Auftritt sind noch einige gefolgt. Sie hat zu uns Künstlern immer gut geschaut und uns jeweils mit Stil angesagt. Nach der Zugabe haben wir von ihr immer eine Rose als Dankeschön erhalten. Auch das mit Stil.

Die Nachmittage mit Dir waren sehr kurzweilig und ich habe Dich in dieser Zeit näher kennenlernen dürfen. Das war sehr wertvoll für mich und ist auch in unserer Ausstellung, die dann tatsächlich realisiert wurde und in dem Film, in dem Du eine tragende Rolle spielst, zum Ausdruck gekommen. Danke Dir nochmals dafür!

Nun gibt es keine Gelegenheit mehr, mit Dir wieder über die alten Zeiten ins Gespräch zu kommen. Ich bedaure das sehr. Umso mehr freut es mich, dass Du Deine Erinnerungen mit mir und allen Interessierten rechtzeitig geteilt hast. So werden diese nicht in Vergessenheit geraten und auch für unsere Nachkommen erhalten bleiben.

Was vergangen, kehrt nicht wieder. Aber ging es leuchtend nieder, leuchtet’s lange noch zurück. (Karl August Förster, deutscher Dichter, 1784 – 1841)

In stiller und dankbarer Erinnerung, Marietta Zürcher, Präsidentin Kunstgesellschaft Davos

Freunde erinnern sich